die Tigermücke

Die Tigermücke hatte einen Plan.

Keinen kleinen Plan.
Keinen vernünftigen Plan.
Einen völlig übertriebenen Welteroberungsplan.

Während andere Gelsen gemütlich irgendwo am Teich herumsurrten und sich mit einem halben Tropfen Blut zufriedengaben, saß die Tigermücke auf einem warmen Blumentopf in Graz und dachte:

„Warum nur EINEN Menschen stechen … wenn man ALLE gleichzeitig nerven kann?“

Also begann ihre Mission.

Sie versteckte ihre Eier:

  • in Untersetzern,
  • in vergessenen Gießkannen,
  • in Dachrinnen,
  • in alten Reifen,
  • und natürlich genau dort, wo niemand nachsah.

Die heimischen Gelsen fanden das etwas übertrieben.

„Du musst dich entspannen“, sagte eine alte Sumpfgelse.
„Man sticht einmal, summt gemütlich herum und fertig.“

Doch die Tigermücke trug längst imaginär einen Fliegerhelm und antwortete nur:

„SCHWÄCHE.“

Dann startete sie ihren täglichen Tiefflugangriff auf menschliche Knöchel.

Morgens.
Mittags.
Abends.
Völlig egal.

Während normale Stechmücken nachts arbeiteten wie halbwegs anständige Vampire, dachte sich die Tigermücke:

„Warum warten? Überraschungsangriff!“

Besonders stolz war sie darauf, dass Menschen plötzlich hektisch in der Luft herumschlugen wie kaputte Windräder.

Das wertete sie als persönlichen Erfolg.

Doch dann…
tauchte der Gegner auf.

Die Libelle.

Lautlos.
Präzise.
Mit dem Gesichtsausdruck eines fliegenden Kampfhubschraubers.

Die Tigermücke hatte zuerst noch gelacht.

„Was will dieser bunte Stab mit Flügeln denn machen?“

Großer Fehler.

Denn Libellen sind keine gemütlichen Gartendekorationen.
Sie sind fliegende Jagdmaschinen.

Trefferquote:
nahezu absurd.

Die Tigermücke musste erschrocken feststellen:
Die Libelle fraß:

  • kleine Mücken,
  • fliegende Insekten,
  • und leider ganz besonders gern nervöse kleine Zickzackflieger.

Also praktisch…
sie.

Noch schlimmer:
Die Libellenlarven warteten bereits im Wasser.

Das bedeutete:
Wenn die Tigermücke ihre Eier irgendwo in Wasser ablegte, konnte ihr Nachwuchs schon dort verspeist werden — noch bevor überhaupt jemand gestochen wurde.

Aus Sicht der Tigermücke war das:
äußerst unhöflich.

Doch damit nicht genug.

Plötzlich begannen die Menschen auch noch:

  • Wasser regelmäßig zu wechseln,
  • Untersetzer auszuleeren,
  • Regentonnen abzudecken,
  • Naturtränken sauber zu halten,
  • Libellen zu fördern,
  • Schwalben anzulocken
  • und Fledermauskästen aufzuhängen.

Ein strategisches Desaster.

Denn während die Tigermücke abgestandene Mini-Pfützen liebt, mögen Libellen:

  • lebendige Wasserstellen,
  • Pflanzen,
  • offene Wasserflächen,
  • Struktur,
  • Ansitzplätze
  • und naturnahe Gärten.

Mit anderen Worten:

Der langweilige Plastikeimer hinter der Hütte war plötzlich weg.

Dafür entstanden überall Naturgärten voller Gegner.

Heute sitzt die Tigermücke daher oft beleidigt irgendwo auf einem Basilikumtopf und murmelt finster vor sich hin:

„Früher hat man hier wenigstens noch in Ruhe Leute stechen können…“

Während über ihr bereits eine Libelle ihre nächste Runde dreht.