Das Taubenschwänzchen

Als die ersten Sonnenstrahlen über die Gärten zogen, erwachte Hugo das Taubenschwänzchen in seinem Versteck zwischen den alten Weinblättern.
„Heute wird ein guter Tag“, summte er zufrieden und wärmte seine winzigen Flügel auf.

Und warm mussten sie sein — schließlich schlug Hugo sie fast 80 Mal pro Sekunde. So schnell, dass viele Menschen ihn für einen kleinen Kolibri hielten.

Mit einem leisen Schwirrflug sauste Hugo durch die Kleingartenanlage. Vorbei an Tomatenpflanzen, Lavendel und Petunien. Vor jeder Blüte blieb er wie ein Mini-Hubschrauber in der Luft stehen.

„Nektarkontrolle! Ganz wichtige Angelegenheit!“, murmelte er ernst, während er seinen langen Rüssel tief in die Blüten steckte.

Was die Menschen oft nicht bemerkten:
Während Hugo gemütlich frühstückte, half er ganz nebenbei der Natur.

Denn jedes Mal, wenn er eine Blüte besuchte, blieb Blütenstaub an seinem pelzigen Körper hängen. Und beim nächsten Halt trug er ihn weiter. So bestäubte er unzählige Pflanzen — ohne großes Aufsehen darum zu machen.

„Ohne uns würde hier manches gar nicht wachsen“, sagte Hugo stolz und schwebte elegant rückwärts aus einer Blüte heraus.

Plötzlich hörte er ein Kind rufen:
„Mama! Ein Kolibri!“

Hugo grinste innerlich.
Das passierte ihm ständig.

Den ganzen Sommer lang flog er von Garten zu Garten, half Blumen, Kräutern und vielen Pflanzen bei der Bestäubung — und brachte gleichzeitig Menschen zum Staunen.

Am Abend setzte er sich erschöpft auf einen warmen Stein.

„Gar nicht schlecht“, sagte er zufrieden.
„Für einen kleinen Nachtfalter mit eingebautem Hubschrauber.“